Skyguide - Ausgewählte Objekte für jede Jahreszeit

Der Skyguide soll in erster Linie Anregungen für eigene Beobachtungen geben und wird dabei jährlich für jede Jahreszeit ausgewählte Objekte kurz beschreiben. Es werden dabei sowohl leichte als auch schwierige Objekte ausgewählt. Wie schwer ein Objekt letztlich ist, hängt natürlich von verschiedenen Faktoren ab, vor allem der Himmelsqualität, Teleskopöffnung und Erfahrung.

Zu jedem Objekt werden die wichtigsten Informationen in Kurzform angegeben. Ergänzt werde diese durch Fotos oder Zeichnungen. Desweiteren ist eine Karte, erstellt mit der freien Software Cartes du Ciel (Skychart), für die grobe Orientierung vorhanden. Im Allgemeinen empfehle ich aber, eigene Aufsuchkarten zu erstellen. Die visuelle Beschreibung des Objekts basiert weitestgehend auf eigenen Beobachtungen und soll lediglich als Anhaltspunkt dienen.

I - Frühling II - Sommer III - Herbst IV - Winter
2014 - skyguide-de-2014-2.pdf skyguide-de-2014-3.pdf skyguide-de-2014-4.pdf
2015 skyguide-de-2015-1.pdf skyguide-de-2015-2.pdf skyguide-de-2015-3.pdf skyguide-de-2015-4.pdf
2016 skyguide-de-2016-1.pdf skyguide-de-2016-2.pdf skyguide-de-2016-3.pdf skyguide-de-2016-4.pdf
2017 skyguide-de-2017-1.pdf skyguide-de-2017-2.pdf skyguide-de-2017-3.pdf skyguide-de-2017-4.pdf
2018 skyguide-de-2018-1.pdf skyguide-de-2018-2.pdf skyguide-de-2018-3.pdf skyguide-de-2018-4.pdf
2019 skyguide-de-2019-1.pdf skyguide-de-2019-2.pdf skyguide-de-2019-3.pdf skyguide-de-2019-4.pdf
2020 skyguide-de-2020-1.pdf skyguide-de-2020-2.pdf skyguide-de-2020-3.pdf skyguide-de-2020-4.pdf
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Skyguide 2021-1 (Frühling)

von Robert Zebahl & René Merting
Skyguide 2021-1 - Chart
Karte erstellt mit Cartes du Ciel

Das Sternbild Luchs (lat. Lynx) ist recht unscheinbar und wurde durch den polnischen Astronomen Johannes Hevelius (1611-1687) eingeführt, um die Lücke zwischen den Zwillingen und dem Großen Bären zu schließen. Lediglich der hellste Stern, alpha Lyncis (3,1 mag), erhielt eine Bezeichnung mit griechischem Buchstaben. Den anderen, helleren Sternen wurden Flamsteed-Nummern zugewiesen. Interessant ist auch, dass zur Zeit der Flamsteed-Nummerierung die Sternbildgrenzen noch nicht genau festgelegt waren. Dies geschah erst im frühen 20. Jahrhundert durch die Internationale Astronomische Union (IAU), welche hierfür den Astronomen Eugène Delportes beauftragte. Durch diesen Umstand liegen heute Sterne wie 10 Ursa Majoris im Sternbild Luchs, während 41 Lyncis im Großen Bären zu finden ist. Auch in anderen Sternbildern lassen sich solche Beispiele finden.

So unscheinbar das Sternbild auch sein mag, so findet man hier eine Reihe lohnender Objekte wie die Galaxien NGC 2537 (Arp 6, Bärentatzengalaxie) & IC 2233 oder auch den planetarischen Nebel Jones-Emberson 1 (PK164+31.1). Sternhaufen aus den bekannten Katalogen wird man dagegen vergeblich suchen. Dafür bietet der Luchs noch viele Doppel- und Mehrfachsterne. Besonders schön ist das Dreifachsystem 12 Lyncis (STF 948) im nördlichen Teil des Sternbildes.


Skyguide 2021-1 - STF 1334
STF 1334 – Zeichnung von Robert Zebahl, 63/840mm Zeiss Telementor I (140x), 22.01.2019

Für unsere Tour starten wir aber ganz im Süden bei alpha Lyncis, wo sich zwei schöne Doppelsterne befinden. 38 Lyncis (STF 1334) ist ein recht ungleiches Paar (3,9 & 6,1 mag) mit einem Winkelabstand von 2,5 Bogensekunden. Ein Teleskop mit einer Öffnung von etwa 60mm wird den schwächeren Begleiter lediglich als Aufhellung im ersten Beugungsring der Hauptkomponente zeigen. Ab 100mm Öffnung ist eine klassische Trennung aber gut machbar. Hohe Vergrößerungen sind erforderlich. Die Farbe wird als weiß, gelb oder gar orange beschrieben.

Zwischen alpha und 38 Lyncis findet sich noch der Doppelstern STF 1333. Der Winkelabstand ist mit 1,9 Bogensekunden zwar geringer, aber die Komponenten sind mit 6,6 & 6,7 mag nahezu gleich hell, sodass eine Trennung mit 60mm Teleskopöffnung bei hoher Vergrößerung möglich ist. Auch hier werden die Komponenten weiß oder gelblich wahrgenommen.


Skyguide 2021-1 - NGC 2683 (Photograph)
NGC 2683 – Fotografie von David Wemhöner, 2,5 Stunden Belichtungszeit mit ASI 294mc Pro und 10 Zoll f/4.7 Truss-Newton, 10/11.04.2020
Skyguide 2021-1 - NGC 2683 (Sketch)
NGC 2683 – Zeichnung von Robert Zebahl, 102/1122mm ED-Refraktor (62x) unter städtischen Bedingungen (Bortle 6-), 23.03.2020

Weiter westlich liegt die Galaxie NGC 2683, welche sich nahezu in Kantenlage präsentiert und mit einer scheinbaren Gesamthelligkeit von etwa 9,7 mag hell genug ist, um auch in kleineren Teleskopen unter Vorstadtbedingungen gut beobachtet werden zu können. Durch ihr Aussehen wird sie auch UFO-Galaxie genannt. NGC 2683 ist eine Spiralgalaxie vom Hubble-Typ Sb mit aktivem Galaxienkern. Unter eher städtischen Bedingungen (Bortle 6) lässt sie sich gut mit 100mm Teleskopöffnung beobachten und zeigt sich länglich, aber ohne nennenswerte Helligkeitszunahme Richtung Zentrum. Unter dunklem Landhimmel (Bortle 3) ist sie auch mit einem 18x70 Fernglas gut erreichbar und erscheint als homogener, schmaler Nebel. Die Galaxie ist in einem schönen Sternumfeld eingebettet und lohnt sich ebenfalls für Fotografen.


Skyguide 2021-1 - NGC 2782
NGC 2782 – Quelle: Pan-STARRS

Nördlich von alpha Lyncis finden wir noch die deutlich schwächere Galaxie NGC 2782 (Arp 215) mit einer scheinbaren Gesamthelligkeit von ca. 11,6 mag. Die visuelle Herausforderung hier besteht in der Erkennbarkeit der äußeren Spiralarme. Vor allem östlich der Galaxie ist auf Fotografien ein weit auslaufender Spiralarm zu erkennen. Unter einem Vorstadthimmel (Bortle 6) ist die Galaxie bereits mit 152mm Teleskopöffnung bei mittlerer Vergrößerung indirekt als eher kleiner, schwacher, leicht kondensierter Nebel zu sehen. Bei 320mm Teleskopöffnung unter dunklem Landhimmel ist auch der helle Spiralarm östlich der Galaxie als kompakte Aufhellung sichtbar, wenn auch sehr schwach.