Skyguide - Ausgewählte Objekte für jede Jahreszeit

Der Skyguide soll in erster Linie Anregungen für eigene Beobachtungen geben und wird dabei jährlich für jede Jahreszeit ausgewählte Objekte kurz beschreiben. Es werden dabei sowohl leichte als auch schwierige Objekte ausgewählt. Wie schwer ein Objekt letztlich ist, hängt natürlich von verschiedenen Faktoren ab, vor allem der Himmelsqualität, Teleskopöffnung und Erfahrung.

Zu jedem Objekt werden die wichtigsten Informationen in Kurzform angegeben. Ergänzt werde diese durch Fotos oder Zeichnungen. Desweiteren ist eine Karte, erstellt mit der freien Software Cartes du Ciel (Skychart), für die grobe Orientierung vorhanden. Im Allgemeinen empfehle ich aber, eigene Aufsuchkarten zu erstellen. Die visuelle Beschreibung des Objekts basiert weitestgehend auf eigenen Beobachtungen und soll lediglich als Anhaltspunkt dienen.

I - Frühling II - Sommer III - Herbst IV - Winter
2014 - skyguide-de-2014-2.pdf skyguide-de-2014-3.pdf skyguide-de-2014-4.pdf
2015 skyguide-de-2015-1.pdf skyguide-de-2015-2.pdf skyguide-de-2015-3.pdf skyguide-de-2015-4.pdf
2016 skyguide-de-2016-1.pdf skyguide-de-2016-2.pdf skyguide-de-2016-3.pdf skyguide-de-2016-4.pdf
2017 skyguide-de-2017-1.pdf skyguide-de-2017-2.pdf skyguide-de-2017-3.pdf skyguide-de-2017-4.pdf
2018 skyguide-de-2018-1.pdf skyguide-de-2018-2.pdf skyguide-de-2018-3.pdf skyguide-de-2018-4.pdf
2019 skyguide-de-2019-1.pdf skyguide-de-2019-2.pdf skyguide-de-2019-3.pdf skyguide-de-2019-4.pdf
2020 skyguide-de-2020-1.pdf skyguide-de-2020-2.pdf skyguide-de-2020-3.pdf skyguide-de-2020-4.pdf
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Skyguide 2021-4 (Winter)

von Robert Zebahl & René Merting
Skyguide 2021-4 - Chart
Karte erstellt mit Cartes du Ciel

Skyguide 2021-4 - 1
Region um zeta Tauri – Quelle: DSS

Das Sternbild Stier (lat. Taurus) gehört mit zu den ältesten Sternzeichen und wurde bereits in dem astronomischen Werk des Ptolemäus beschrieben. Es gehört zu den 12 Tierkreiszeichen. Aufgrund der Präzession der Erdachse haben sich Sternbild und Sternzeichen um etwa 30° zueinander verschoben. Um den Stier gibt es zwei Mythologien: Im 3. Jahrtausend v. Chr. bezeichneten die Sumerer das Sternbild als Himmelsstier, gegen welchen der sagenhafte König Gilgamesch kämpfen musste. Nach der griechischen Mythologie verwandelte sich Zeus in einen Stier, um Agenors Tochter Europa nach Kreta zu entführen. Abhängig von der Quelle gibt es aber auch andere Interpretationen.

Bekannt ist der Stier vor allem durch die offenen Sternhaufen Hyaden (Melotte 25) und Plejaden (Messier 45), welche bereits unter aufgehelltem Himmel ein leichtes Ziel für das bloße Auge sind. Die Hyaden stellen dabei den Kopf des Stiers dar und erscheinen V-förmig zusammen mit dem Hauptstern Aldebaran, welcher allerdings nicht zum Sternhaufen gehört. Die Plejaden werden oft auch Siebengestirn oder die „sieben Schwestern” genannt. Einige Mitglieder des Sternhaufens tragen Eigennamen, welche der griechischen Mythologie entstammen: Titan Atlas mit seiner Frau Pleione und ihren sieben Töchtern, u.A. Alkyone, Elektra und Merope.

Ein sehr bekanntes Objekt ist der Krebsnebel (Messier 1). Er ist der Überrest einer Supernova aus dem Jahr 1054. Die Supernova war zum Zeitpunkt des Ausbruchs das zweithellste Objekt am Himmel und konnte sogar am Tage beobachtet werden. Heute ist wenigstens ein Fernglas notwendig, um einen kleinen Nebel zu erkennen. Im Teleskop zeigt sich der Krebsnebel als ovaler Nebel mit einem unregelmäßigen Rand. Bei ausreichender Teleskopöffnung können auch Details innerhalb des Nebels wahrgenommen werden. Durch die Expansion des Nebels sind schon innerhalb weniger Jahre Veränderungen der Struktur fotografisch erkennbar. Auch wenn er nicht zu den hellsten Messier-Objekten zählt, ist er dennoch auch gut unter vorstädtischem Himmel beobachtbar. Gut 0.5° östlich findet man den Doppelstern STF 742. Der Abstand der Komponenten (7m.1 & 7m.5) beträgt derzeit ca. 4.2", sodass auch sehr kleine Teleskope zur Trennung genügen. Bei passender Vergrößerung lassen sich STF 742 und Messier 1 zusammen beobachten.

Östlich von zeta Tauri kann man das außergewöhnliche Sternmuster Lorenzin 1 bewundern, welches auch liebevoll Spermatozoon genannt wird. Es handelt sich um eine gut 20' lange Kette von Sternen bis etwa 10m.0. Der hellste Stern im Osten mit 8m.4 markiert den Kopf des Spermatozoons, welcher mit zwei etwa 11m.0 hellen Sternen ein kleines Dreieck bildet. Unter dunklem Himmel lässt sich diese Sternkette mit dem Fernglas gut beobachten.


Skyguide 2021-4 - 2
NGC 1514 (Crystal Ball Nebula) – Zeichnung von Mathias Sawo an einem 21-Zoll-Dobson

Wer lieber Details in planetarischen Nebeln beobachten möchte, sollte sich NGC 1514 genauer anschauen, welcher auf Fotografien interessante Strukturen zeigt. Er ist auch unter dem englischen Namen „Crystal Ball Nebula” bekannt. Ein 18x70 Fernglas lässt den Nebel unter Landhimmel als „unscharfen Stern” erscheinen, wobei der Zentralstern mit 9m.5 als erstes auffällt. Ein Teleskop von 8 Zoll Öffnung offenbart bereits die unregelmäßige Form. Nebelfilter helfen bei der Beobachtung. Mit zunehmender Teleskopöffnung werden immer mehr Details innerhalb des Nebels sichtbar, wie die Zeichnung von Mathias Sawo zeigt.


Skyguide 2021-4 - 3
NGC 1555 (Hinds Veränderlicher Nebel) – Quelle: DSS

Eine Herausforderung in Bezug auf die generelle Sichtbarkeit dürfte NGC 1555 (Hinds Veränderlicher Nebel) nördlich der Hyaden sein. NGC 1555 gehört zu den Herbig-Haro-Objekten, benannt nach George Herbig und Guillermo Haro. Diese kleinen Nebel entstehen bei sehr jungen Sternen, wenn ausgestoßenes Gas des Sterns auf Staubwolken trifft. Die Lebenszeit solcher Objekte ist mit einigen tausend Jahren vergleichsweise kurz. Durch eine unregelmäßige Verteilung von Staub und unterschiedlicher Geschwindigkeiten des ausgestoßenen Materials ändern sich Form und Helligkeit dieser Nebel teils in wenigen Jahren. Das macht diese Objekte fotografisch und visuell interessant. In einem Beobachtungsbericht sollte daher unbedingt das Datum der Beobachtung aufgenommen werden. Ein anderes Herbig-Haro-Objekt ist z.B. Gyulbudaghian-Magakian 1-29 (GM1-29) im Kepheus, welches über einige Jahr selbst mit großer Öffnung kaum beobachtbar war. In den Jahren 2013 bis 2015 gelang die Sichtung schon mit 8 Zoll Teleskopöffnung.